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„An Soldaten denken“

Unter diesem Motto versammelten sich über 20 Kameraden des OV St. Stefan ob Stainz des ÖKB zu einer Gedenkfeier am Ortsfriedhof, auf dem sich ein Grab für vier russische Soldaten aus dem 1. WK befindet. Der 15. Oktober wurde vom Obmann mit Bedacht gewählt, weil vor genau 100 Jahren, am 15. Oktober 1918, zwei der Soldaten verstorben waren, die beiden anderen innerhalb von zwei Wochen danach.

Begleitet wurde die Feier von einem Bläserquartett der Ortsmusikkapelle unter ihrem Kapellmeister Heinz Tappler und als besondere Gäste nahmen der Landesgeschäftsführer des Schwarzen Kreuzes, Obst i.R. Dieter Allesch sowie der Bürgermeister von St. Stefan Stephan Oswald teil. Ebenso anwesend war Frau Hermine Sticher, welche sich dankenswerterweise ehrenamtlich um die Pflege des Grabes kümmert.

In seiner kurzen Ansprache wies Obmann Rupert Stipper auf die besondere Verpflichtung hin, die sich aus dem Leitbild des ÖKB ergibt: „Kriegerdenkmäler und Soldatenfriedhöfe sind für uns nicht politische Symbole, sondern Leuchttürme der Versöhnung und Mahner zum Frieden!“ In diesem Sinne sei es gerechtfertigt, am Grab dieser vier Soldaten aus dem 1. Weltkrieg, welcher den Beginn einer schrecklichen Zeit vor nunmehr gut 100 Jahren markierte, ein Gedenken abzuhalten. Keiner dieser Männer sei wohl freiwillig von zu Hause weg in den Krieg gezogen; das gelte für die eigenen wie für diese russischen Soldaten.

Obst i.R. Dieter Allesch erinnerte in seinen Worten daran, dass er in seiner Zeit als aktiver Offizier bei Kontakten mit der Bevölkerung vor allem in der Oststeiermark Berichte erhalten habe, wie dramatisch und schrecklich das Kriegsgeschehen sich auch für die Zivilbevölkerung ausgewirkt hat. Es wüsste dort kaum eine Ortschaft, in der es keine Soldatengräber und entsprechend zugehörige Denkmäler gäbe.

Obst Allesch bedauerte, dass sich die Republik gerade jetzt, 100 Jahre nach dem Ende des 1. WK, so wenig für die hier in Österreich befindlichen Soldatenfriedhöfe und -gräber und für die Erinnerung engagiere. In vielen anderen Ländern werde das ganz anders gehandhabt. Deshalb sei auch diese Gedenkfeier hier in St. Stefan so wichtig, weil nur solche Gedenkveranstaltungen uns daran erinnern, was damals geschehen ist; man müsse aus den tragischen Ereignissen des vorigen Jahrhunderts die entsprechenden Lehren ziehen und daraus Konsequenzen folgen lassen. Er erinnerte an das Wort: „Der beste Lehrmeister ist die Geschichte, sie findet leider nur keine oder zu wenige Schüler“.

 „Nur wer die Geschichte kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten!“

Eine besinnliche Andacht, geleitet von Kameraden Werner Reboll und begleitet von Musikstücken der Bläsergruppe, rundete die Gedenkfeier ab.

Andreas Müller, Hptm a. D.