Zum Inhalt springen

Katastrophe für Weinbauern durch Eigeninitiative abgewendet

Wiederum erhebliche Schäden in der Landwirtschaft durch Frostereignisse

„Das Gröbste überstanden“ sieht es leicht optimistisch der Obmann des Weinbauvereines Deutschlandsberg Stefan Langmann , Langegg/St. Stefan ob Stainz, nach der Nacht vom 20. auf 21. April für den Weinbau, wobei man in konkreten Fällen – Höhen- und Tallage-  das sicher differenzierter sehen muss. Allerdings- und das ist Faktum, haben sich die Weinbauern in Eigenregie und mit großer Unterstützung von unzähligen Helfern/Innen eine eigene präventive „Notfall“-Strategie zurechtgelegt, die vielfach gewirkt hat.

Man muss dabei nicht extra anführen, dass diese präventiven Maßnahmen nicht eine Dauerlösung sein können, aber für den Moment haben sie allenfalls genützt.

Dies war auch der Tenor des Lokalaugenscheines, den die Verantwortlichen des Landes und die Interessensvertreter der Bauern „vor Ort“ beim Weingut Langmann vlg. Lex am Freitag zu Mittag von sich gaben.

Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer, Landesrat Johann Seitinger und Landwirtschaftskammer Präsident Franz Titschenbacher besuchten vom Frostereignis betroffene Betriebe und luden zu diesem  Lokalaugenschein auf geschädigten Flächen- u. a. beim Weingut Langmann-  die Medien inklusive des ORF ein.

Mit dabei auch Weinbaudirektor Werner Luttenberger, BBDirektor Franz Tonner, Hagelversicherungsdirektor Günther  Kurz  und St. Stefans Bgm Stephan Oswald.

Steirische Obst- und Weinbauern sind wieder durch einen intensiven Kälteeinbruch in ihrer Existenz betroffen. Durch intensive Gegenmaßnahmen wurde versucht, massiven Schäden wie im Jahr 2016 entgegenzuwirken. Das Schadensausmaß steht erst in einigen Tagen fest.

Nach dem katastrophalen Schnee- und Frostereignis vor genau einem Jahr im April 2016 sind die steirischen Obst- und Weinkulturen in der letzten Nacht durch die tiefen Temperaturen von bis zu minus 9 Grad Celsius letzte Nacht schon wieder erheblich geschädigt worden. Durch die deutlichen Minusgrade, die die Kulturen in einer kritischen Vegetationsphase getroffen haben, wurden Obst- und Weinkulturen stark geschädigt. Höhere Lagen sind voraussichtlich geringer betroffen.

Die gesetzten Gegenmaßnahmen wie Frostbewässerung, Räuchern mit Strohballen, der Einsatz von Paraffinkerzen, das Befliegen mit Helikoptern, um wärmere Luftschichten in Bodennähe zu bringen, oder das Abdecken mit Schutzflies konnten Schäden nur teilweise abmindern.

LR Seitinger bezeichnete die „Langmann-Dramaturgie“ (die für viele zutrifft)  in den Worten, „die Mutter musste geopfert werden, um die Kinder zu schützen“ , denn – wie bei vielen Weinbauern- wurden die frostgeschädigten Weinstöcke  im vorigen Jahr entfernt, neue gepflanzt und mit den alten Rebstöcken die Feuer entflammt zum Schutz der „Neuen“.

„Der Teufel hat viel Junge“ wie es die Natur beweist. Was soll/kann man den Menschen sagen, denen in zwei Nächten -2016 und 2017- vielfach die Existenz entrissen wurde? Voriges Jahr wurde einmalig mit rund 35 Mio € in einem vorbildlichen,  koalitionärem Abkommen an Entschädigung ausbezahlt- nunmehr gibt es einen “Schranken“ von der EU: „Wenn Frucht versicherbar ist, darf europaweit keine Entschädigung bezahlt werden“.

Das Bemühen geht nun dahingehend, dass  eine geschlossene Versicherungsdecke gebildet wird- auch um „Trittbrettfahrer“ abzuhalten-  und Notfallmaßnahmen erforscht werden (Hubschrauber, Rebenabdeckung, Frostberegnungsanlagen etc. ). Das für die  dramatische Situation „21. April 2017“ eingesetzte Material soll vom Land größtenteils finanziell ersetzt werden.

LHStv Schickhofer als Katastrophenschutzreferent direkt von Stuttgart kommend- deren Weinbauern haben übrigens einen Verlust von 70 %  durch den Frost- beleuchtete die „verwirrende“ Situation der Stmk, die im Norden von Schnee überfüllt wird und bis dato 1.600 FF-Leute in 280 Einsätzen mehr als aktiv hielt und den Süden und Osten, der vom Frost befallen wurde, wobei die Obstbauern diesmal sicher mehr benachteiligt  sind als die Weinbauern. Das Positive sieht er vor allem im gemeinsamen Auftreten und der politischen Unterstützung des Landes- wo immer es nur möglich ist.

Präsident Titschenbacher unterstrich dieses Zeichen der gemeinsamen Solidarität, wo man erkennen müsse, dass „die Werkstätte der Bauern in freier Natur liegt und den Wetterkapriolen bzw. dem Klimawandel unweigerlich ausgeliefert ist“.

Weinbauer Langmann, der selbst zwischen 20- 35 to an Stroh/Heuballen verheizt hat und natürlich die Gesamtsumme an Heizmaterial in den über  140 ha. Weinanlagen der Weinbaugemeinde St. Stefan nicht beziffern konnte,  sieht die Zukunft in einer leistbaren Versicherung,  Katastrophenforschungsforcierung und Präventivarbeit.

Bgm Oswald freute sich in St. Stefan/Stainz am Morgen „nichts zu sehen außer Nebel“ und meinte, man sei großteils mit einem „blauen Auge“ davongekommen. Sein Lob galt dabei den vielen freiwilligen „Heizhelfern“ – und hier auch der Landjugend St. Stefan.

Weinbaudirektor Luttenberger war überzeugt davon, dass die Räuchermaßnahmen ein größeres Unheil abgewendet hätten und sprach den Wettervorhersagern für ihre Exaktheit großen Dank aus.

Versicherungschef Kunz wagte eine Grobschätzung der bisherigen Schäden in der LW mit 34 Mio – im Weinbau dzt. mit 7 Mio- , wobei im Vorjahr die Schäden mit 230 Mio € beziffert wurden.  Im Weinbau sind rund 40 % der Betriebe, im Obstbau 50 % frostversichert .

Faktum ist, dass die Vegetationsperiode durch den Klimawandel zunehmend früher beginnt und die jungen Triebe sowie Pflanzen für Spätfröste immer empfindlicher werden. So war im heurigen Jahr der Vegetationsbeginn durch den wärmsten März um durchschnittlich 14 Tage früher.

Text und Bilder: Alois Rumpf